Der nordamerikanische Esport hat ein wiederkehrendes Problem, das nicht verschwinden will, und der führende Esport-Manager der ESL FACEIT Group beschönigt es nicht. Ulrich Schulze, Senior Vice President of Esports der Organisation, sagte den Teilnehmern der Global Esports Industry Week in Köln, dass Visaprobleme die Region seit Jahren konstant belasten. „Ich denke, Visa waren für Nordamerika schon immer ein Thema“, sagte er und verwies auf ein strukturelles Problem, das die Reiseplanung von Teams und die Eventplanung immer wieder stört.

Schulzes Äußerungen fielen während einer breiteren Diskussion darüber, wie EFG sein Turnierportfolio auf verschiedene Märkte zuschneidet. Während IEM Cologne sich zu einem Flaggschiff-Counter-Strike-Event mit treuer Anhängerschaft entwickelt hat, betonte er, dass es ein Fehler wäre, diesen Bauplan überall zu kopieren. Das eigentliche Ziel, erklärte er, sei es, etwas zu schaffen, das bei lokalen Zielgruppen ankommt, statt identische Erlebnisse herunterzuspulen.

Ulrich Schulze CS2

Wie die IEM Cologne zum festen Bestandteil wurde und was andere Events daraus lernen

Schulze führte den Aufstieg des deutschen Events auf das Jahr 2015 zurück, als ESL auf Arena-Counter-Strike setzte, trotz des wackeligen Comebacks des Spiels nach einem holprigen Start. Die Location selbst war jahrelang ungenutzt geblieben, bevor das Unternehmen überhaupt existierte. „Das war damals ein wirklich großer Sprung“, erinnerte er sich. Seitdem hat sich das Sommerturnier für Fans, die es wie einen Urlaub behandeln, zu einer jährlichen Pilgerreise entwickelt. „Es ist so großartig zu sehen, wie die Leute zurückkommen und das jedes Jahr zu einem festen Event machen“, fügte Schulze hinzu.

Vier-Tage-Formate und der Kompromiss für Fans

Der in Köln verwendete Zeitplan von Donnerstag bis Sonntag ist teilweise durch den Major-Kalender bedingt, doch Schulze sieht darin ein nützliches Experiment. Der zusätzliche Tag erhöht die Kosten und verlangt den Teilnehmern mehr ab, weshalb EFG ihn nicht überall anwenden wird. In Katowice können Fans im traditionellen Fenster von Freitag bis Sonntag alle vier Viertelfinals sehen, selbst wenn sie später anreisen, während der Donnerstagstart in Köln bedeutet, dass Freitagsankömmlinge zwei davon verpassen. „Es gibt definitiv einige Kompromisse“, merkte Schulze an.

  • Visahürden bleiben ein hartnäckiges Hindernis für Teams, die in Nordamerika antreten wollen, und eine einfache Lösung ist nicht in Sicht.
  • EFG nutzt Köln als Testfeld für Ideen zum Fanerlebnis – Side-Events, Konferenzen, Partys – und passt dann an, was für andere Turniere funktioniert.
  • Nicht jedes Event zielt darauf ab, das größte zu sein; lokale Erzählungen und regionaler Charakter haben Vorrang vor einer universellen Vorlage.
  • Die IEM Kraków wechselt nächstes Jahr zum Vier-Tage-Format, doch die meisten anderen Events bleiben bei drei Tagen, um zugänglich zu bleiben.

Regionale Differenzierung und die Herausforderung Nordamerika

Schulze betonte, dass der Kalender von EFG darauf ausgelegt ist, jedem Turnier eine eigene Identität zu geben. In Atlanta liegt der Fokus auf nordamerikanischen Teams, besonders wenn VRS-Plätze regionalen Mannschaften Türen öffnen, die anderswo selten auftreten. In Brasilien steht die Menge hinter lokalen Stars. In China sind starke Auftritte chinesischer Teams die ideale Storyline. „Fans suchen nicht unbedingt jedes Mal nach einer Kopie von Köln“, sagte er. „Wenn Köln zehnmal im Jahr stattfinden würde, wäre es auch nicht dasselbe.“

Das Visaproblem jedoch untergräbt diesen regionalen Ansatz weiterhin. Während Schulze keine schnelle Lösung anbot, räumte er ein, dass das Problem historisch die Qualität nordamerikanischer Events begrenzt hat. Nachfolgend eine Übersicht, wie sich die großen Events von EFG in Format und regionalem Schwerpunkt unterscheiden.

Ereignis Format Regionaler Fokus
IEM Cologne 4 Tage (Do–So) Global; das beste Team gewinnt
IEM Katowice 3 Tage (Fr–So) Global; historisches Prestige
IEM Kraków 4 Tage (ab 2027) Europäisch/global
IEM Atlanta 3 Tage Nordamerikanische Teams
IEM Brazil 3 Tage Lokale Helden
IEM China 3 Tage Leistung chinesischer Teams

Schulzes übergeordneter Punkt ist, dass EFG bereit ist zu experimentieren – mit Tagesszahlen, Rahmenprogramm und regionalen Storylines –, solange der Feedbackkreislauf Fans und Spieler in den Mittelpunkt stellt. „Wir schauen uns wirklich all das Feedback an, das uns die Fans geben“, sagte er. „Was hat ihnen gefallen, was gefällt ihnen am Event nicht.“ Dieser Ansatz, glaubt er, wird jedes Turnier eigenständig wirken lassen, auch wenn das Portfolio wächst.